„Aber doch nicht in den Gang!“

Am vergangenen Wochenende fanden die beiden Ausgaben des Showformats „Lünsch Magisch“ statt. Gastgeber Timothy Thomson hatte gemeinsam mit Marco Weissenberg und Magic Maxl in das CVJM-Heim Lüdenscheid-West geladen.

Timothy Thomson war nicht nur Gastgeber und Moderator, sondern ist selbst ein Lüdenscheider Urgestein. Bereits zum zweiten Mal seit Veranstaltungen in kleinem Rahmen wieder erlaubt sind, veranstaltete er selbst lokale Zaubershows. Seine beiden Mitstreiter des Wochenendes, Marco und Maxl, habe er bei Zauber-Jugendworkshops kennen gelernt. Neben wertschätzenden Zwischenmoderationen präsentierte Timothy einige Nummern aus seinem Repertoire. So ließ er eine Zuschauerin zufällig einen Punkt seiner ganz persönlichen „Bucket-List“ auswählen und las diesen über Umwege aus ihren Gedanken. Mittels Spielkarten verdeutlichte der Zauberer die Fähigkeiten des Liebesgotts Amor und ebenso, was in einer Beziehung wichtig ist. Doch auch das „Trennen“ oder vielmehr Sortieren von Spielkarten ebenso wie das Verschwinden und Erscheinen von Münzen präsentierte der Zauberkünstler im kleinen Close up-Set mit Kameraübertragung.

Eigentlich, so erzählte der Lüdenscheider, sei er in diesem Jahr sehr viel als Künstler auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs, doch das sei natürlich nicht möglich. Der vorzeitige Abbruch einer solchen Reise, die lange Zeit ohne Auftritte und die Suche nach Alternativen haben zu einem solchen Konzept geführt – Zauberei live, aber mit Abstand und unter Auflagen. Besonders rührend waren, verbunden mit einem emotionalen Kunststück, deshalb Timothys Worte zur aktuellen Situation von Künstlern und Theatern, die Erfahrungen, die er selbst daraus mitnimmt, über das Lernen, das Mutigsein und Durchhalten, und vorallem die ehrliche Dankbarkeit gegenüber seinen Kollegen, der Location und den Zuschauern.

Magic Maxl ist gerade einmal 13 Jahre alt und hatte mit Abstand die weiteste Anreise, nämlich aus Dachau in Bayern. Aber nicht nur das: Maxl ist dreifacher Deutscher Jugendmeister der Zauberkunst. Mehr als einmal bewies er in diesem Showformat, wieso er bereits jetzt zu den erfolgreichsten Nachwuchszauberern gehört.

Einigen Zuschauern war vielleicht bereits aus einem TV-Format Maxls Version des Becherspiels bekannt. Verpackt war es in die Geschichte einer kuriosen Begegnung auf dem Oktoberfest, bei der er einem Hütchenspieler zeigte, wie ein Zauberer mit Wiesn-passenden Requisiten solche Taschenspielertricks gewinnt. Mit dieser Routine gewann er im Alter von 10 Jahren den ersten Meistertitel.

Generell sind die Nummern des Zauberkünstlers sehr auf seine Heimat geprägt. Ob das Verketten und Lösen von Brez’n (ohne sie zu zerbrechen), das seltsame Vermehren von Schafkopf-Karten und ein Kartenkunststück, bei dem er selbst stumm, aber auf bayrisch die Gedanken einer Zuschauerin lesen konnte.

Doch auch in seinem „Hauptberuf“ als Schüler würde Maxl gerne öfter Zauberei anwenden, als seine Lehrer es erlauben; um etwa Fehler in einem Aufsatz gänzlich verschwinden zu lassen oder um Textaufgaben in Mathe anschaulich zu erklären.

Der Bezug auf seine Heimat, seine offene und sympathische Art und der bereits in jungen Jahren hohe kreative Anspruch seiner Nummern, hinter dem „alte Hasen“ zuweilen weit zurück bleiben, machen die Kunst des jungen Zauberers absolut einzigartig.

Der Zauberkünstler Marco Weissenberg hatte für diese Show eine Mischung aus altbewährten und brandneuen Kunststücken aus seiner persönlichen Wundersammlung dabei.

Zauberwürfel zum Beispiel trieben den Künstler in der Kindheit lange in den Wahnsinn. Heute lässt er sie springen, verwandelt sie in Süßigkeiten, nutzt eine kuriose Methode, um sie zu lösen, und wenn sie sich nicht lösen lassen, sind sie Gegenstand von gedanklicher Beeinflussung oder sogar ganzer Bilder.

In den letzten Monaten hat das Thema Geld Marco sehr beschäftigt. Nicht aber wegen der stillstehenden Veranstaltungsbranche, sondern wegen seines Projektes, das daraus hervorgegangen ist: Money Heist Magic. In einem knapp 7-minütigen Video verbindet er Zauberei mit einer seiner Lieblingsserien. Und das Thema: auf magische Weise Geld drucken! Dass dies nicht nur vor der Kamera, sondern auch live funktioniert, bewies der Zauberer mit Hilfe einer Farbrolle, einem Koffer oder sogar einfachen Handbewegungen.

Der Ring einer Zuschauerin wurde mit Hilfe einer fragwürdigen wissenschaftlichen Erklärung, einem mindestens genauso fragwürdigen Hilfsmittel und ziemlich viel Fantasie aus den Händen der Besitzerin an einen unmöglichen Ort teleportiert. Und sogar das ganze Publikum war von seinen Plätzen aus beteiligt an einer besonderen Nummer über die viel zu vielen Chancen, die einem im Leben begegnen.

Unbestreitbar hat Marco die Zwangspause genutzt, um neue Effekte und Präsentationen zu schaffen, die nun endlich einmal auf die Bühne kamen, aber auch bekannte Nummern des „Wunderkinds“ begeisterten in dieser Show die Zuschauer.

Wie bereits „Cinemagic“ war auch „Lünsch Magisch“ ein voller Erfolg! Wenn auch die „Konkurrenz“ anderer Liveshows und insbesondere Zaubershows aktuell nicht groß ist, war die Auswahl an Künstlern, die Zusammenstellung von Charakteren und Kunststücken zusammen mit dem verantwortungsvollen Umgang der aktuellen Situation eine herausragende Leistung, die das Publikum begeisterte und es endlich wieder zum Lachen und Staunen brachte.

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