Ausgesaugt – Das Metronom Theater Oberhausen

Am Wochenende besuchte ich eine Vorstellung von „Tanz der Vampire“ in Oberhausen. Das Musical, Inszenierung und Darsteller, das Theater und seine Organisation haben mich, wie nicht anders erwartet, ein weiteres Mal sehr beeindruckt.
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Aber, auf die Gefahr, mich damit weit aus dem Fenster zu lehnen: Einen ähnlichen, wenn nicht sogar noch größeren Eindruck haben die Mitarbeiter des Metronom Theater Oberhausen hinterlassen. Ließen sie die Zuschauer vor und während der Show ihren Aufenthalt genießen, meldeten sie sich erst nach der Show zu Wort: Angefangen bei dem Schriftzug, der nach der Show eingeblendet wurde (s. Bild), standen sie danach im Foyer, mit Bannern und Flyern, versuchten, auf ihre Situation aufmerksam zu machen: Der Betreiber des Theaters, die Stage Entertainment GmbH, wird das Theater zum 22.03. schließen – aus Kostengründen. Laut Pressemitteilungen seien die Zuschauerzahlen im gesamten nicht ausreichend gewesen, um den Standort zu halten.
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Man kann die Hintergründe des Unternehmens hinterfragen, eine genauere Antwort zu erwarten scheint aber optimistisch. Was mich sehr bedrückt und mich bewogen hat, meine Gedanken mit Euch zu teilen, ist Folgendes: Kostengründe führen zur Schließung. Kostengründe haben ebenso zum Verkauf des Colosseum Theater Essen geführt. Hotel- und Gastronomiebetriebe bangen um ausbleibende Musical-Touristen. Langjährige Mitarbeiter verlieren ihre Stellen. Soweit der wirtschaftliche Aspekt.
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So, wie ich das Live-Entertainment beruflich erlebe, die Zusammenarbeit und Unterstützung von Theatern und Künstlern, die sicherlich davon leben müssen, allen voran aber für ihre Kunst brennen, dafür, Menschen zu begeistern und zu bewegen, Neues, Kreatives zu schaffen, ein gemeinsames Interesse verfolgen, das in vielen Fällen eng zusammenschweißt, macht es mir nur leidlich begreiflich, wie so eine Entscheidung getroffen werden kann. Man nenne mich naiv, daran glauben zu wollen, dass es einem Unternehmen wie der „Stage“ gut genug ginge, um der Kultur und der Menschen, die dort ihren Platz gefunden haben, wegen ihre Standorte in NRW aufrecht zu erhalten, auch, wenn sich damit keine riesen Gewinne scheffeln lassen. Weder auf der Homepage noch in den Sozialen Medien (mindestens seit Beginn des Jahres) ein offizielles Statement über die Entscheidung von „Stage“ finden zu können ist die traurige Spitze des Eisbergs, ist wie etwas totzuschweigen, worum die Mitarbeiter des Theaters noch immer kämpfen.
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Letztlich sehe ich, ohne Einblick in die Tiefen der Beweggründe, nur, dass ein weiteres wunderschönes und beliebtes Theater mit langer und erfolgsträchtiger Geschichte geschlossen wird, Menschen ihre Arbeit, Darsteller und Zuschauer eine Bühne verlieren – und das ist wie jede Schließung eines Theaters ein Rückschlag für die Kultur.

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